Ullrich & Co. waren die Besten
“Die bösen Telekomfahrer!” sie haben die Konkurrenz betrogen und sich somit irregulär Vorteile verschafft – diesen Müll hört man an allen Ecken. Schämen müssen sich nur die, die es nicht geahnt haben. Die Überraschten vergleiche ich mit Kneipensportwissenschaftlern, die beim Tor den Ball “mit dem Handtuch” pariert hätten. Armselig ist auch Schäubles Reaktion, der alles prüfen und nach Schuldigen sucht – da sind wir nämlich gut; Schuldige ausfindig und mundtot machen. Man meint das sei die Lösung – dem ist aber nicht so.
Warum soll Jan Ullrich ein Statement abgeben? Team Telekom ist ein Produkt aus den Wünschen der Deutschen. Hätten Sie nicht gedopt, hätte es das Team so nie gegeben. Auf ein Interview mit Dopingforscher Jörg Tolsdorf habe ich im Juli 2006 bereits verlinkt. Zu den Ursachen von Doping sagt er:
“Radsport, Leichtathletik, Schwimmen – letztlich handelt es sich bei jeder Sportart um einen Wettkampf. Und die These meiner Untersuchung war, dass die extreme Konkurrenz des Wettbewerbs maßgeblich dafür verantwortlich für das Dopingverhalten von Athleten ist.”
Beim lokalen Schwimmturnier geht es sauber zu – nur sieht es sich keiner an. Profisportler stehen vor einer existenziellen Frage, bevor sie nachhelfen. Geld gibts nur für die Besten, ist man da nicht dabei, ist es vorbei mit dem Profisportlerleben. Im Training merkt man schnell, wer wie fit ist. Der Drang “alles raus zu holen” fängt schon früher an, nicht erst im Profisport. In der Jugend werden nur die Besten gefördert, bekommen ein passendes Umfeld im Verband oder im Leistungszentrum. Wenn EPO 15% Mehrleistung bringt, bedeutet das eine völlig andere Liga. Die jeweilige Spitze liegt meist viel näher zusammen. Dies erkennt ein Sportler schnell und informiert sich, spätestens wenn sein Vertrag vor der “Nichtverlängerung” steht. Dies kann im Profirennstall sein oder eben bei einer Firmenbeteiligung im Jugendbereich wenn der Sponsor die Reisekosten für die internationale Jugendserie zahlt. Folglich werden viele bereits mit einem funktionierenden Versorgernetz für Dopingmittelchen und Methoden ins Profigeschäft einsteigen. Profisport ist eher wie die Formel1, als ein Zusamenspiel von Mensch und Technik zu sehen. Rolf Aldag und Erik Zabel sagen das Netz der Kontrollen sei löchrig. Will man diese Kontrollen verbessern, muss man die fragen, die sie umgehen konnten.

EPO-Anlage – wollen wir Sport ohne Doping?
Die Radfahrer wünschen sich doch am allermeisten, dass alle im Feld sauber fahren – fällt einer tot vom Rad werden alle nachdenklich. Die Mediziner an der Uni Freiburg hat man sofort gefeuert, man wollte laut dem Rektor schnell reagieren – von diesen wird man wohl nicht mehr viel hören, was im Laden schief lief.
Schäuble ist schockiert und prüft alle rechtlichen Schritte; hat man alle Schuldigen ausgemacht, ist das Problem gelöst – denktunser Innenminister. Leider liegt das Problem nicht nur bei den Sportlern und das haben die jetzigen Entscheider nicht erkannt. Es muss gefragtund nicht verurteilt werden und zwar die heutigen aktiven Sportler. Zabel hat es schön gesagt, als er die Doping-Generationen im Radsport erwähnte – erst Amphetamine, dann EPO und derzeit (vielleicht) Blutdoping. Mal schauen, was 2008 alles so kommt. Ich setze auf die fernöstliche Innovationsfähigkeit.
Robert Basic widmet sich ebenfalls diesem Thema und verweist auf eine interessante Artikelserie bei der Wissenswerkstatt: Artikel 1 und 2 sind bereits online, weitere folgen noch