Blogartikel effizient schreiben
Bloggen kostet Zeit. Es ist schwierig nützliche Beiträge aus der Hüfte zu feuern. Daher halte ich seit einiger Zeit die Augen offen und schaue, was die Profis da so anstellen. Ich gehe auf einige Tools und Tricks vom Problogger Darren Rowse und Steve Pavlina ein.

Problogger Darren Rowse liefert mir hier am meisten Material. Toll zu sehen, wie er es schafft, so viele Beiträge zu veröffentlichen, dabei hat Darren neben seinem Probloggerblog noch weitere Eisen im Feuer, etwa sein Blognetzwerk B5Media und seinen Digital Photography School Blog.
Problogger Tagesplan
Darren steht auf, frühstückt und sitzt um 08.30 Uhr vor seinem Powerbook. Die erste halbe Stunde filzt er seine Statistiken und loggt sich bei Partnerprogrammen ein. Um neun streift Darren ein bis drei Stunden durch seine Feeds und dabei kopiert er relevante Inhalte gleich ins seinen Blogeditor Ekto. Als Browser nutzt Darren den Newssammler Bloglines und den Safari-Browser oder Firefox. An diesem Tag setzt er sich um 10.00 an sein Email-Postfach, moderiert von dort die Kommentare und sichtet seine von ihm abonnierten Nachrichtenquellen wie beispielsweise GoogleNews. Ab 11 geht Darren samt Notebook und etwas Literatur in sein bevorzugtes Cafe. Dort wird dann geschlürft, geträumt und Mittag gegessen. Während dieser Zeit liest er bevorzugt seine Stats, surft in Foren oder spricht mit Bloggerkumpanen. Von 13.00 bis 15.00 Uhr geht es dann zurück nach Hause, wo ihn seine Feeds erwarten. Es folgt ein einstündiges Mittagsschläfchen und gegen vier kommen Darrens geplante eigene Inhalte dran – das dauert etwa bis 1800. Darren verwandelt sich anschließend mehr oder weniger in einen Familienmenschen. Darren will pro Tag in etwa 25 Beiträge verfassen (Artikel erschien 2004). Früher hatte er teilweise 70 geschrieben. Gegen acht, falls die Familie fernsieht, geht Darren durch seine am Tag verfassten Beiträge und liest diese Korrektur. Dabei überlegt er, wem er wohl über den jeweiligen Beitrag via Email informieren sollte. Gegen 12 gehen dann die Lichter aus im Hause Rowse. Darren betont, dass nicht jeder Tag so aussieht.
Information sammeln
Darren beobachtet rund 500 Feeds. Bei der Struktur seines Bloglines-Kontos hält es Darren einfach: ein paar themenbezogene Ordner; einer wird geöffnet, eine Artikelquelle wird aufgerufen, gelesen und es folgt die nächste. Irgendwelche Multitasktätigkeiten scheinen sowohl nach der GTD-Methode als auch nach einem kürzlich erschienenen Spiegelartikel keinen Sinn zu machen. Immer eins nach dem anderen lautet hier wohl die Devise.
Problogger Wochenplan
Schön und gut – ins Cafe setzen und Zeitung lesen kann ich auch! Wie bereite ich mich nun auf den konkreten Beitrag vor? Darrens Vorbereitung (Beitrag aus dem Jahr 2005) sieht folgendermaßen aus:
- Montag morgens werden mögliche Themen überlegt und in einer Textdatei festgehalten
- Darren nimmt sich ein Topic, macht ein neues Textfile auf und arbeitet daran weiter. Jeder Post bekommt so ein eigenes Textfile und liegt im Ordner (Beiträge in Bearbeitung)
- Darren fast seine Aufzeichnung in einem Satz zusammen, damit er das Textfile gedanklich und inhaltlich zuordnen kann
- Jetzt listet er die Kerninhalte in Stichpunkten auf
- Darren denkt nun an frühere Beiträge; so erinnert er sich an weitere Einzelheiten und findet Beiträge für interne Links
- Abschließend wird das Textfile mit den Topicideen geöffnet und der neue Topic durchläuft Schritt 2 bis 6.
- Sind die Posts soweit fertig, überlegt sich Darren in welcher Reihenfolge und wann die Beiträge erscheinen. Jetzt schnappt er sich seinen Montagsbeitrag und beginnt daran zu tippseln
- Von den so entstandenen Posts will Darren jeden Tag einen auf Problogger veröffentlichen (Stand 2006)
Die geschilderten Abläufe sind ein Mix aus drei Beiträgen (2004-2007) auf Problogger, daher kann er es jetzt schon ganz anders halten.
Steve Pavlinas Weg zum Blogpost
Steve Pavlina schreibt viel seltener aber auch viel länger. Steve hat einen sehr erfolgreichen Blog rund ums Thema Persönlichkeitsentwicklung. Seine Beiträge erscheinen sehr tiefgründig und durchdacht. Für seine Posts hat er sich eine Schrittfolge überlegt – diese nennt er Microtask-Liste für einen Blogpost:
- Ziel festlegen: informieren, überzeugen, beeindrucken oder unterhalten
- Eine Liste mit möglichen Themen erstellen oder die Leseranregungen aufgreifen
- Ein Thema wählen
- Einfach mal runterschreiben ohne groß nachzudenken
- Struktur überlegen, wie ich das Thema verständlich rüber bekomme
- das Runtergeschriebene danach sortieren
- unterstützendes Material, wie Tabellen ausfindig machen und ablegen
- den so entstandenen Artikel sichten und auf Ausgeglichenheit prüfen
- den Artikel in Absätze einteilen
- Unterüberschriften bilden
- Einleitung schreiben
- Schluss schreiben
- Artikel auf Aufbau, Verständlichkeit und Inhalt prüfen
- Artikel auf Rechtschreibung prüfen
- diverse Überschriften einfallen lassen und abwägen
- Einen Titel wählen vielleicht einen anderen Titel für die Suchmaschine
- dem Artikel entsprechende Kategorien zuordnen
- das Veröffentlichkeitsdatum festlegen
- den Artikel veröffentlichen
- nach einer gewissen Zeit Feedback und Stats prüfen und einarbeiten
Eigene Entdeckungen
Bis jetzt habe ich noch keine Keywords bei Technorati oder Bloglines abonniert, das werde ich testen. Vermutlich werde ich einmal die Woche bei Mister-Wong drei oder vier Schlagwörter abgrasen.
Ich werde versuchen von Lesern Themenvorschläge zu erhalten. Wer könnte mir bessere Anregungen geben, als meine Leser? Ob das für diesen Blog jemals in Frage kommt, keine Ahnung – die Idee finde ich sehr gut.
Ich werde das Verhalten von Darren mal probieren, mir aber nicht den Druck geben einen Termin fürs Schreiben festzulegen. Dieser Artikel liegt schon lange bei meinen Entwürfen und ich habe bestimmt schon fünfmal daran getippselt. Erst mit dem Erscheinen des letzten Beitrags auf dem Problogger vorgestern, fand ich dass der Artikel nun reif für eine Veröffentlichung ist. Für mich hat sich das bewährt.
Meine Zweifel, ob ich viele unnötige Schritte im Beitragsentwicklungsprozess habe, sind nun weg. Die Microtask-Liste könnte da eine Hilfe sein, wenn ich mal ins Stocken komme.
Weiterführende Links:
* Blogatelier – Bauplan für die Erstellung eines Blogartikels
* Blogatelier – Wie entstehen gute Blogartikel?
* Steve Pavlina – Microtasks
* Problogger – 2005; 2006; 2007;
* Spiegel-Artikel zu Multitasking
Anmerkung: Bild von Pixelio.de