Am 15. und 16. September fand beim DRC Ingolstadt die Tennis Trainer Fortbildung des Bayerischer Tennisverbands statt. Ich war dort, um meine Lizenz “B-Trainer-Leistungssport” zu verlängern. Es war recht interessant und eine feine Sache, einige bekannte Gesichter aus Bayern wieder zu sehen. Die Vortragsinhalte bestätigten viele meiner bestehenden Ansichten und so werde ich meine Trainingsmodule überarbeiten und erweitern. Hier nun einige Kerninhalte der angebotenen Sessions.

Allgemeines und tennisspezifisches Koordinationstraining
Robert Enzingmüller und Robert Licht aus dem Bezirk Mittelfranken, beides B-Trainer zeigten was Koordinationstraining ist und wie man es ins Training einbaut. Im Winter 2004/2005 habe ich ein Koordinations-Modul in Düsseldorf durchgezogen. Dieses acht Stunden umfassende Training überarbeitete ich jetzt und biete es wieder an. Später an anderer Stelle mehr dazu.
Cardio-Tennis
Kathrin Sturm, A-Trainerin, stellte diesen Trend aus den USA vor. Der Trainer als Animateur, der Platz als Parcours, die Musik als Taktgeber – das ist Cardiotennis. Die Teilnehmer gehen schwitzend und ausgelaugt vom Platz und haben verschiedene Muskelgruppen und ihr Herz-Kreislauf-System beansprucht. Anpruchsvoll ist diese Trainingsart auch für den Trainer. Er muss beobachten, mit hoher Frequenz zuspielen und einzelne Übungen so gestalten, dass es keine Pausen gibt und die Übungen teilnehmergerecht sind – das kann bei einer heterogenen Gruppe sehr schwierig sein.
Doppeltraining
Dr. Rainer Wohlmann, A-Trainer, stellte seine Form des Doppeltrainings dar. Er lässt Doppel von der Grundlinie trainieren und legt Wert auf erfolgsorientierte Methoden. So werden Cross-Ralleys, ein langer Return und die Position eines einzelnen Netzspielers trainiert. Dieser eher unkonventionelle Trainingsansatz ist für Einzelspezialisten sinnvoll, erfolgreiche Doppelspieler sollen wie gewohnt ein aggressives Doppel mit dem Ziel den Punkt am Netz zu machen, trainieren. Den Einzelspezialisten fehlen die Vorraussetzungen für diese Art des Spiels und so sollte mit dieser neuen Art des Trainings ein Erfolg für Medenspiele sicher gestellt werden. Ein umfassendes Doppeltraining ist im Trainingsplan dieser Spieler auch einfach nicht vorgesehen – so scheint mir dieser Ansatz sinnvoll.
Trainingsstrukturen moderner Tennisschulen und Vereine
Thomas Apitzsch, A-Trainer, informierte über die Strukturen moderner Tennisschulen und stellte heraus, dass vor allem der fortlaufende Austausch der Trainer untereinander wichtig ist.
Schnelligkeitstraining
Matthias Mischka, Sportstudent und A-Trainer-Anwärter, ging auf Schnelligkeitstraining ein. Als Tennisspieler sind hier besonders schnelle Arme und Beine wichtig, damit eine gewisse Schlaggeschwindigkeit erreicht wird. Des weiteren soll im Training an der Reaktion gearbeitet werden. Im Handout finden sich viele Übungen, die leicht auf andere Trainingsformen anpassbar sind. Das Verhältnis der schnellen Muskelfasern zu den langsamen ist durch die Gene festgelegt. Schnelle kann man langsam machen, umgekehrt ist dies nur schwer möglich. Sicher muss ich da noch mehr nachlesen, falls ich mal ein Trainingsmodul Schnelligkeitstraining zusammen stelle.
Taktiktraining im Kinderbereich
Marco Speckner, Verbandstrainer, zeigte dass Taktiktraining in nahezu jedem Alter möglich ist. Teamspiele fördern hier die Orientierung und auch das Treffen erfolgreicher Entscheidungen. Der Start des Praxisteils begann ohne Schlaggerät, dann kamen Gobabretter zum Einsatz. Dies zeigte eindrucksvoll, dass nur ganz wenigen und jungen Spielern die Vorraussetzungen für das Taktiktraining fehlen.
Psychologie im Match
Thassilo Haun, ehemaliger Profi und A-Trainer-Anwärter, zeigte ein Taktiktraining unter Berücksichtigung psychologischer Komponenten beim Tennis. Klingt etwas komisch, meint vereinfacht: Jeder Spieler kennt die Frage nach dem passierten Doppelfehler im Tiebreak – “Wie konnte das jetzt passieren?” Stellt man solche Drucksituationen im Training bestmöglich nach, reflektiert darauf hin das Verhalten des Spielers, entwickelt dieser für sich erfolgreiche Lösungsstrategien und automatisiert diese für zukünftige heikle Spielsituationen.
Sportverletzungen
Guido Pascal, Physiotherapeut, erzählte am Lehrgangsende über häufige Sportverletzungen im Tennis. Mitgenommen habe ich das Belastungsreaktionen immer aus dem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit entsteht. Zwickt es, muss die Belastung also reduziert, oder die Belastbarkeit gesteigert werden. Solche Aktionen kann man präventiv oder als Therapie machen. Guido Pascal ging noch kurz auf das Dehnen ein, hier stellte er fest, dass Dehnen zur Muskelverlängerung am effektivsten ist, wenn man einen Muskel 8min am Stück dehnt. Das war mir neu. Bei auftretenden Verletzungen ist die PECH-Technik ratsam: Pause-Eiswasser-Compression-Hochlagern.
Erfreulich für mich als Footbagspieler war, dass besonders auf “Shin Splints” eingegangen wurde. Der Therapeut sicherte zu, dass durch eine Knochenhautmassage nach spätestens vier Sitzungen der stechende Schmerz im Unterbein weg ist. Des Weiteren empfahl er bestimmte Stäbe fürs Wirbelsäulentraining, diese werde ich mir mal anschauen. Übertraining kann man durch eine Pulsmessung vor dem Aufstehen ausfindig machen.
Texx
4.0 ist mein Start-Texx-Wert. Texx steht für Tennisindex und ist ähnlich, wie das Handicap beim Golf. Ich habe gleich mal den Service des DTB getestet und mich dort angemeldet und werde nun auch gleich mal ein paar Spieler hier in Bielefeld suchen und kontaktieren. Bis jetzt gefällt mir das sehr gut, ich hoffe es findet genügend Anklang.
Weiterführende Links
* Knochenhautmassage
* Ruhepuls und Übertraining
* Flexibar-Stab
* Texx – Tennisindex
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