Motivation aus Sicht der Hirnforschung #2
Im Focus-Artikel zum Thema Führung kam mir die Forschung zu kurz. Ich recherchierte und fand einen Podcast zu Motivation und Verhaltensänderung bei SWR2. Hirnforscher Gerhard Roth schildert seine Sicht der Dinge. Wie führe und motiviere ich mich oder mein Umfeld und erreiche so das gewünschte Verhalten?
Schon mal vorab – wir sind Individuen und es gibt kein Patentrezept!
Teil #2 “Verhaltensänderung”
Es gibt zwei Methoden zu lernen:
* klassische Konditionierung nach Pawlow – diese klappt bei einfachen Verhaltensweisen und spielt bei Sympathie und Antipathie eine Rolle
* operante oder instrumentelle Konditionierung – hier arbeitet man mit Verstärkung und Abschwächung und beeinflusst so das Verhalten. Wird die Person belohnt, spricht man von positiver Konditionierung. Wird die Belohnung entzogen spricht man von negativer Konditionierung.
(Bestrafung stellt die schlechteste Form der Verhaltensbeeinflussung dar – sie schürt beim Betroffenen Rachegefühle, das Ende der Strafe wirkt als Verstärker, und man unterdrückt nur eine Verhaltensweise, implementiert aber keine Neue.)
Die Belohnung, also die positive Konditionierung funktioniert so:
Die Person wird nach dem gewünschten Verhalten belohnt. Das gewünschte Verhalten kann abgesprochen sein, muss es aber nicht. Die belohnte Person wird dieses Verhalten wiederholen, da sie wieder belohnt werden will.
Das klingt einfach – wäre es nicht so schwierig eine wirkliche Belohnung zu finden – man muss die Motive des Unbewussten treffen und das kostet Zeit.
Bei der Belohnung muss man auf Folgendes achten:
* sie muss an Motivstruktur der Person angepasst sein
* die Intervalle spielen eine Rolle
Belohne ich bei Verhaltensänderung ständig, wird sie schnell eintreten, aber die möglicherweise nutzt sich die Belohnung ebenso schnell ab. Belohne ich unregelmäßig wird der irgendwann erfolgende Belohnungsentzug nicht so schnell deutlich. Der Zeitpunkt, an dem das Ausbleiben der Belohnung wahrgenommen wird, ist für das neue Verhalten kritisch. Je größer die Bedürfnisbefriedigung, je mehr Aufwand ich hatte, und je unerwarteter die Belohnung ist, desto größer ist ihre Wirkung. Eine Belohnung schwächt sich mit ihrem Einsatz gegebenfalls ab. Einem Durstleidenden ein Glas Wasser anzubieten mag anfangs sehr wirkungsvoll sein – nach einer gewissen Menge wird die Wirkung des Wassers aber erlischen. Es bietet sich also an, in unregelmäßigen Intervallen zu belohnen.
Emotionen klingen schnell ab, daher müssen Belohnungen zeitnah nach der Verhaltensänderung erfolgen; so dienen sie als Verstärker. Belohnungen sollten mit einer bestimmten Leistung verküpft sein; so sind sie wirksamer.
Bei auftretenden Verhaltensstörungen sind mehrere Ebenen beteiligt:
* Grundantriebe, Temperament und der Kern der Persönlichkeit
* individuelle emotionale Konditionierung (erfolgt meist unbewusst)
* soziale Erziehung (erfolgt meist bewusst)
* eigene logische Erklärung seines Verhaltens
–> die ersten beiden sind im limbischen System unseres Hirns angesiedelt; die dritte in der linken Gehirnhälfte und die vierte in der rechten Gehirnhälfte. Die eigene logische Erklärung hat somit keine Auswirkung auf unser Verhalten, außer die drei anderen sind ebenfalls beteiligt. Ein logischer Appell an jemand nützt also nichts, da das limbische System sofort fragt: “Was bringts denn mir?”
Man sollte also an die Solidarität appelieren und an früher bewältigte Krisen erinnern – passiert trotzdem nichts, drang man nicht bis zum unbewussten Belohnungssystem durch, oder die Bedürfnisbefriedigung bei gleichbleibendem Verhalten ist größer. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die betreffende Person dessen Motivstruktur gar nicht genau bewusst ist.
Warum passiert also nichts, wenn die Vorteile ganz klar auf der Hand liegen?
* Person ist in der Persönlichkeit so stark gefestigt, dass er zu keiner Änderung in der Lage ist und so Angst vor der Veränderung hat.
* Person ist in dessen derzeitigen Umfeld (Betrieb) nicht zu motivieren
* das “Weitermachen wie bisher” stellt eine Belohnung dar (Expertentum, Sicherheit, verminderte Zukunftsangst), die größer ist.
Gerhard Roth zum Änderungspotential einer Person:
“Man kann Individuen nur in dem Maße ändern wie es ihre Motivationsstruktur erlaubt”
Aus diesen Erkenntnissen kann man folgern, dass Motivation intern stattfinden muss. Es geht auch nicht um die Tierdressur, sondern nur um Gestzmäßigkeiten zur erfolgreichen Verhaltensänderung.
Links:
Teil #1 “Motivation”
SWR2-Wissen “Mehr Motivation”
Gerhard Roth
Beitrag zum Focus Arktikel
Prof. Pudels Anmerkungen zur Ernährungspsychologie | fitfuttern – #
Pingback – 10. November 2007 – 21:52
[...] * Zeitschrift Ernährung – Wissenschaft und Praxis * Wikipedia – Volker Pudel * Wikipedia – Gerhard Roth * Podcast von Gerhard Roth “Mehr Motivation” (SWR 2) * Zusammenschrift des Inhalts des Podcasts im Blogatelier Teil 1 ; Teil 2 [...]