Archiv vom 'December 8th, 2006'

Kampf der Blähung (#2)

Dieser Beitrag ist Teil der Artikelserie “Schreibstil”. Quellen und Inhaltsverzeichnis findest du im ersten Beitrag.

Nach Hemingway und Schneider muss ein Text knapp und präzise sein. Es stellt sich die Frage, wo man sein eigenes Geschwafel kürzen kann.
Schneider findet beim Gebrauch von Adjektiven, Nomen und Verben einige Möglichkeiten, Überflüssiges zu entrümpeln. Sagen wir der Blähung den Kampf an und schlachten aus.

Ein Adjektiv kann als Attribut, als Prädikat, als Adverb oder als Partizip vorkommen.
Man prüft seinen Text, ob die Adjektive alle nötig sind. Bei mir wanderten umgehend einige in die Tonne.
Wir brauchen Adjektive nur, wenn sie zur Unterscheidung, oder “wenn sie mit dichterischer Kraft gesetzt” sind. Ich weiß nicht was dies bedeutet, wollte es euch aber nicht vorenthalten.
Falls es möglich ist, sollte man statt dem Adjektiv ein Nomen verwenden, welches die Eigenschaft schon mitliefert. Man kann bspw. einen starken Wind in einen Sturm verwandeln.

Bei den Nomen unterscheidet Schneider zwischen bildhaften (Himmel,Stern), bildnahen (Liebe, Unglück) und bildleeren (-tum, -ung, -heit). Die bildhaften und die bildnahen Nomen sind zu empfehlen. Die bildleeren Nomen sollten nicht gebraucht werden. Oft kann man ein alternatives Substantiv oder ein Verb finden. Zerstrittenheit kann man beispeilsweise in einen Streit verwandeln.
Die Nomen Bereich, Raum, Ebene, Sektor und Umfeld sind ebenfalls zu meiden.

Die Verben sind die Königswörter. Hier gibt es ebenfalls einige Gruppen, die man meiden sollte.
Verben auf -ieren und Verdopplungen wie “vorprogrammieren” sollten ersetzt werden. Einige Tunwörter kennzeichnen einen Zustand und sind so nur zweite Wahl (Luftwörter wie erfolgen,bewirken; Spreizverben wie beinhalten, vergegenwärtigen; tote Verben wie befinden,liegen, gehören; Blähverben wie aufweisen).

Erste Wahl sind die Formen von “haben”,”sein” und die dynamischen Tatwörter. Diese Verben sollten bevorzugt werden. Aufpassen muss man dabei auf Wiederholungen.
Passiv und Infinitiv sollten vermieden werden. Bei Dopplungen ist der Infinitiv sogar falsch (…hatten die Erlaubnis … zu dürfen…) und das Passiv wirkt verschleiernd.

Mit diesen Anmerkungen im Hinterkopf mistete ich meine Texte umfangreich aus.

Artikelserie “Schreibstil”: Einleitung (#1)

Es ist mal wieder an der Zeit eine Artikelserie zu verfassen. In dieser dreht sich alles um den Stil beim Schreiben.
Wie in meinen anderen Serien (siehe Links am Beitragsende) nehme ich ein Buch und versuche mir das Wichtigste heraus zu picken und so eine Fähigkeit zu erlernen oder zu verbessern.

Es ist schwierig in Zeiten der Informationsflut, dem Leser, das zu vermittelnde Wissen, geeignet vorzusetzen. Geeignet heißt für mich, dass er alles liest, versteht und in die Tat umsetzen kann. Andernfalls war der Text keine Hilfe und ich verfehlte mein Ziel.

 

Im Dialog fällt es mir leichter, meine Absicht und die Wirkung beim Gegenüber zur Deckung zu kriegen. Beim Bloggen ist das anders; es gibt weder einen verdutzten Gesichtsausdruck, noch ein zustimmendes Nicken. Meist ist der Leser bei einem auftretenden Mangel gleich wieder weg und sucht nach einer anderen Quelle. Sollte dir also etwas auffallen, kannst du mir dies gerne als Kommentar mitteilen.

Das Buch, welches mir beim Formulieren helfen soll, ist “Deutsch für Kenner – Die neue Stilkunde” von Wolf Schneider.

Bevor ich auf den Inhalt des Buches eingehe, verweise ich noch auf zwei verwandte Artikel im Blogatelier (”Wie entstehen gute Blogartikel?“; “Bauplan zur Erstellung eines Blogartikels“). Die Artikelserie wird wieder 6 bis 10 Beiträge umfassen und sollte bis spätestens März vollständig sein – Viel Spaß!

Los gehts.

Das oberste Prinzip für einen Text ist dessen Verständlichkeit.

 

Schneider listet drei Generalregeln für Redner und Schreiber auf:
* fasse dich kurz
* triff die Sache punktgenau
* versetze dich in die Leserperspektive

Nils hat mich auf eine englischsprachige Quelle (Copyblogger) rund ums Thema “Schreiben”
aufmerksam gemacht. Dort fand ich einen Beitrag über die Ansichten Hemingways.

5 Regeln von Hemingway:
* kurze Sätze
* kurze erste Absätze
* vigorious English (heftig, lebhaft, kräftig)
* vermeide Verneinungen
* sortiere den Müll aus

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Inhaltsverzeichnis Artikelserie “Schreibstil”:
#1 Einleitung
#2 Kampf der Blähung
#3 Mit Wörtern würzen
#4 Nein zum Nein und anderen Marotten
#5 Satzbau
#6 Schreiben heißt werben
#7 Stilmittel

weitere Artikelserien:
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Bildbearbeitung
Gimp-Bedienung

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